Was ist Jugendarbeit

Es ist schwer Jugendarbeit zu erklären, da bei vielen Personen ein „autobiografisches Halbwissen“ vorhanden ist, das die Vorstellung von dem was Jugendarbeit ist, stark beeinflusst. Der Begriff Jugendarbeit wird in verschiedenen Bezügen häufiger gleichgesetzt, in Anspruch genommen oder verwechselt mit den Begriffen Jugendhilfe, Jugendwohlfahrt, Schulsozialarbeit, Jugendfürsorge, Jugendpflege, Jugendförderung, Internatserziehung, Schule, Heimerziehung oder Jugendschutz. Etwas zu beschreiben, von dem alle aus der eigenen Lebenserfahrung glauben zu wissen was es eigentlich ist, stellt sich dementsprechend als eine recht schwierige Aufgabe dar. Deshalb soll zuerst erläutern werden, wie Jugendarbeit entstanden ist und wo sie ihre Wurzeln hat.

Geschichtliche Entwicklung
Jugendarbeit bedeutete vor 1913 zum einen die Auseinandersetzung mit der Frage, wie die Jugend beim Einstieg ins Arbeitsleben unterstützt werden kann. Bekannt vor allem durch die Gesellenvereine, die Adolf Kolping um 1850 gründete. Zum anderen war es die Einrichtung von Ausbildungsstätten, Heimen und anderen Einrichtungen für benachteiligte und verwahrloste Jugendliche, die als Aufgabe von Jugendarbeit angesehen wurde. Hier war vor allem die Arbeit von Don Bosco und den Salesianern kennzeichnend.

Die Anfänge einer solchen institutionalisierten Jugendarbeit in Deutschland kann in den "Rettungshäusern" des Weimarer Theologen und Schriftstellers Johannes Daniel Falk gesehen werden, dessen Motivation von einer tiefen protestantischen Frömmigkeit getragen war. Auch hier stand wie bei Don Bosco die Arbeit in sogenannten Zufluchtstätten für verarmte Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt der Arbeit. Neben diesen Erscheinungsformen entwickelte sich dann noch eine Dritte, die dem, was wir heute unter Jugendarbeit verstehen, am nächsten kommt. Es war das regelmäßige Treffen in Gruppen mit Gleichgesinnten. 1913 fand der Tag der Freideutschen Jugend - vor allem inspiriert durch studentische und bündische Gruppen- am Hohen Meissner statt.
Er stellte von seiner Konzeption her eine Gegenveranstaltung zu den offiziellen Feierlichkeiten aus Anlass der 100. Wiederkehr der Leipziger Völkerschlacht dar. In der Erklärung vom Hohen Meißner bekundete diese freideutsche Jugend aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung und mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten zu wollen.
In den Zeiten des Nationalsozialismus wurde die Jugendarbeit gleichgeschaltet und zum Zwecke der Machterhaltung instrumentalisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Jugendarbeit in Deutschland einen starken Aufschwung, da die Alliierten in Jugendeinrichtungen und in der Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zur Umerziehung deutscher Kinder und Jugendlicher, weg von nationalsozialistischer Ideologie und hin zu einem demokratischen Bewusstsein sahen.
Müller, Kentler, Mollenhauer und Giesecke haben 1964 die ersten 4 wissenschaftlichen Beiträge zur Klärung der Frage: "Was ist Jugendarbeit?" in dem gleichnamigen Buch veröffentlicht. Allen vier Autoren ist es durch ihre Erklärungsversuche und ihre konzeptionellen Weiterarbeiten zu verdanken, dass Jugendarbeit heute in allen Theorien und Ansätzen von der Grundannahme ausgeht, Jugendarbeit habe bei den Erwartungen, Bedürfnissen und Interessen junger Menschen anzusetzen.
Seit 1990 steht die gesamte Jugendarbeit als Teil der Jugendhilfe auf der rechtlichen Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII). In diesem Gesetz ist von der freien und öffentlichen Jugendhilfe bis hin zur Zusammenarbeit der Träger und Verbände untereinander die Jugendhilfe geregelt.

Begriffsklärung

Jugendarbeit (zutreffender: Kinder- und Jugendarbeit) wird dabei neben der Bildung und Erziehung im Elternhaus, der schulischen und beruflichen Ausbildung als dritter Bildungssektor für Kinder und Jugendliche angesehen. Kinder- und Jugendarbeit will zur Persönlichkeitsentwicklung und Gemeinschaftsfähigkeit junger Menschen beitragen. Dabei werden personale und soziale Kompetenzen angeregt und vermittelt, insbesondere Selbständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, Eigenverantwortlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsfähigkeit, Kommunikations-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit. Geprägt ist die Arbeit von der Freiwilligkeit der Teilnahme sowie der Selbstorganisation und Partizipation.
Die Kinder- und Jugendarbeit wendet sich grundsätzlich an alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 – 27 Jahren. Erwachsene spielen dabei in der Leitung von Gruppen, Projekten, Freizeiten und Aktionen eine wichtige Rolle.

Rechtliche Grundlagen

Die rechtliche Grundlage der Kinder- und Jugendarbeit findet sich im Kinder- und Jugendhilfegesetz/KJHG (SGB VIII): Nach
§ 1 SGB VIII ist es das Ziel der Kinder- und Jugendhilfe (und damit auch der Kinder- und Jugendarbeit), das Recht auf Erziehung zu gewährleisten und die persönliche und soziale Entwicklung junger Menschen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern. Dazu sind Leistungen anzubieten, die Mädchen und Jungen gleichberechtigt zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen und hinführen (§11 SGB VIII). Insbesondere ist der Staat verpflichtet, die Kinder- und Jugendarbeit der Jugendverbände zu unterstützen (§ 12 SGB VIII).

Die Struktur der Jugendarbeit

Die Jugendarbeit unterscheidet sich von anderen Erziehungs- und Bildungsbereichen. Ihre Strukturmerkmale sind deshalb so interessant, weil sie als Grundlage zur Förderung demokratischer Kompetenz dienen.
Das bedeutet in der praktischen Arbeit:
· Verfolgung spezifischer pädagogischer, gesellschaftlicher oder politischer Ziele
· Freiwilligkeit der Teilnahme
· Vielfalt der Organisationen und Träger
· Vielfalt der Inhalte, Methoden und Arbeitsformen
· Mitbestimmung, Mitgestaltung und Partizipation
· Selbstorganisation und Integration
· Ergebnis- und Prozessoffenheit
· Lebenswelt- und Alltagsorientierung
· Anknüpfen an den Interessen, Erwartungen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen
· überwiegend ehrenamtliche Tätigkeit
Die Aufgaben der Jugendarbeit werden von öffentlichen und freien Trägern wahrgenommen und im Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen erfüllt. Freie Träger sind Vereine, Verbände, Jugendinitiativen. Öffentliche Träger sind die Gemeinden, Landkreise, freie Städte, Länder und der Bund.